Samstag, 17. Februar 2018

Zukunft Europas

Wenn es uns in den kommenden zehn Jahren nicht gelingt, Europa eine Seele zu geben, es mit einer Spiritualität und einer tieferen Bedeutung zu versehen, dann wird das Spiel zu Ende sein.
Dies ein Zitat aus dem Jahr 1992 von Jacques Delors, dem damaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, gefunden in einer Buchbesprechung der Jungen Freiheit,  Nr. 6/2018, S. 20.

Dazu der trockene Kommentar von Thorsten Hinz:
Inzwischen sind wir in der Nachspielzeit.


 

Dienstag, 13. Februar 2018

Das Outing des Jahres!


Viereinhalb Monate nach der Bundestagswahl:

Ex-Wahlkampfmanager der GRÜNEN
 packt endlich aus ! 




Warnung:  Beim Ansehen des Videos können Schädigungen des Zwerchfells auftreten!




Samstag, 10. Februar 2018

Herde, Wölfe und Hirte

"Wenn der Hirte die Wölfe zur Herde rechnet, sind die Schafe verloren."
... bemerkt in seinem online-Tagebuch Nicolaus Fest und meint mit den Schafen das Häuflein Christen, das es  "in diesem unserem Lande" (H. Kohl) ja auch noch geben soll.  
Wer wissen möchte, wen er mit den Wölfen und vor allem mit dem Hirten metaphorisch im Blick hat, der kann das  -  und noch mehr  -   HIER nachlesen.

Annotatiuncula:  Mir scheint, bei letzterem handelt es sich nicht einfach nur um den "Mietling" aus dem zehnten Kapitel des Johannes-Evangeliums, der sich davonmacht, wenn die Wölfe kommen,  - sondern um einen, der vorher auch noch das Stalltor sperrangelweit aufreißt!





Samstag, 3. Februar 2018

"Abgeschottet ..."

... von Leibwächtern und in kugelsicheren Limousinen mit abgedunkelten Scheiben die Städte durchquerend, in einer Parallelwelt hinter Sicherheitsschleusen und Panzerglasfenstern amtierend, bei jedem öffentlichen Auftritt vom Kontakt zu den Menschen da draußen abgeschirmt, rauschte der Gottkanzlerin der Satz durch die Rübe:
"Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiter bringt."
Eine wie immer treffliche Beobachtung (HIER) von Michael Klonovsky, der auch (HIER) eine höchst erhellende Deutung dieser Metapher liefert:
Im Begriff "abschotten" stecken übrigens jene Schotten,  mit denen man Schiffe ausstattet, damit sie im Falle eines Wassereinbruchs nicht vollaufen und untergehen.  Sich abzuschotten ist bisweilen überlebensnotwendig.
Alles klar, oder?








Samstag, 27. Januar 2018

Zukunft der Kirche

... entweder so:

 "Kirchliche" Trauung,  en passant,  "hoch über den Wolken", ...


Chiesa in Germania

... im Gotteshaus währenddessen:  Fressgelage !

(Diese beiden "zukunftsweisenden", wohlgemerkt von allerhöchster Stelle ausgehenden bzw. gewollten Errungenschaften hat Martina HIER exemplarisch auf den Punkt gebracht.)



... oder so:

Hauskapelle (siehe HIER)


Selbstverständlich ist dieses "entweder - oder" nur ein scheinbares und an dieser Stelle quasi als "rhetorische Frage" formuliert.  Denn die Sache ist ja längst entschieden.

Wie sollte also eine  -  keineswegs überraschende!  -  Nachricht wie diese HIER nicht Anlass zu Hoffnung, Freude und Dankbarkeit sein !


Dienstag, 23. Januar 2018

Opfer für den Götzen

In seinem Acta-diurna-Eintrag vom 16.1. d.J. (HIER)  formuliert Michael Klonovsky, sich an eine Rede von Maximilian Krah (dort verlinkt) anschließend, die Anregung, ...
... nicht immer nur über die Motive zu rätseln, die hinter dem willkommenskulturellen Amoklauf der Kanzlerin stehen mögen, sondern einmal diejenigen in den Blick zu nehmen, die beim Götzendienst um den bon sauvage ihre eigenen Kinder zum Opfer bringen. ...
Und nach einer kurzen Reminiszenz an die jüngsten einschlägigen Fälle geht er, der DDR-Erfahrene, zu einer persönlichen Positionierung über:
Meine Antwort kennen Sie. Die Gehirnwäsche im Westen war viel smarter und tiefreichender als in der DDR, wo auch das nicht funktioniert hat, am Ende wahrscheinlich sogar besser als in Rotchina. Man hat den armen Westdeutschen den Selbsterhaltungsinstinkt abtrainiert und ihnen gleichzeitig eingeredet, dass sie die moralische HerrInnenrasse der Menschheit, gewissermaßen die Elite der nationalen Selbstabschaffung seien.  Diese spinnerten Provinzler träumen von der Einen Welt, wo zehn Milliarden Gleiche einender zum energiereduzierten Massenschunkeln unterhaken, sie glauben allen Ernstes, ein Teil der Menschheit denke schon jetzt wie sie, und der große Rest strebe es an.  Ihr Erwachen ist blutig und wird noch viel blutiger werden.  ... Wie so oft müssen die Kinder für die Torheiten ihrer Eltern, die Völker für jene ihrer Regierungen büßen.
Was mich angeht  -  und da stehe ich wohl nicht ganz allein   -  so trifft mich ganz besonders der letzte Satz über die "Torheiten der Eltern, für die ihre Kinder werden büßen müssen", mitten ins Herz.




Samstag, 13. Januar 2018

Noch eine Quiz-Frage



Wofür halten Sie diese Gestalt ?



Nicht zu fassen (oder doch?):  Des Rätsels Lösung ist genau die gleiche wie HIER !

Weitere  -  sagen wir mal  -  "erstaunliche" Hintergründe kann man HIER  und HIER erfahren.

Societas Jesu, quo vadis?

Samstag, 30. Dezember 2017

Madonna von Stalingrad

Vor fünfundsiebzig Jahren, im Winter 1942/43, vollzog sich eine der furchtbarsten Tragödien der deutschen Militärgeschichte.  Mehr als 260 000 Soldaten der deutschen 6. Armee (und Verbündeten) unter Generaloberst Friedrich Paulus waren  dank der unsinnigen und mörderischen Strategie ihres Oberbefehlshabers Hitler in Stalingrad an der Wolga von feindlichen Divisionen "eingekesselt" worden, um dann unerbittlich aufgerieben zu werden. Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel war ihre Lage  längst völlig aussichtslos geworden, bevor Ende Januar Paulus' Kapitulation diesem entsetzlichen Schlachten ein Ende machte.
91 000 deutsche Soldaten gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft, nur 6000 von ihnen sahen die Heimat wieder.



Unter denen, die schon bald in einem russischen Kriegsgefangenenlager der Tod von ihrem Leiden erlöste, befand sich auch der evangelische Pastor und Stabsarzt Kurt Reuber.  

In einem Unterstand im "Kessel" hatte er auf die Rückseite einer russischen Landkarte die Stalingrad-Madonna  gezeichnet.

Sie war von einem verwundeten Offizier, der ausgeflogen wurde, aus dem "Kessel" gerettet worden und befindet sich heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Herzen Berlins.





Dass die Stalingrad-Madonna und all das, wofür sie als kleines Mahnmal des Leidens und Zeugnis des Glaubens  steht, nicht vergessen wird, dazu möchte dieser Post ein wenig beitragen.



Wer dazu weitere Informationen sucht, findet diese HIER und HIER.




Nachtrag:  Zur Stalingrad-Tragödie lese man Diesen aktuellen Beitag von Vera Lengsfeld über ein Buch von einem, der dabei war, und über die Lehre, die daraus zu ziehen wäre.
Nebenbei ebenso lesenswert ist Diese "Neujahrsansprache" von Frau Lengsfeld.  Verbindendes Thema: Unfähigkeit von Diktatoren, eigenes Versagen einzugestehen.






Sonntag, 24. Dezember 2017

Ecce, virgo concipiet ...




... et pariet filium:  et vocabitur nomen eius Emmanuel.
 
Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name wird sein Emmanuel: "Gott mit uns"

(Is. 7,14;  Communio vom 4. Adventssonntag) 


* * * * *


  
Annotatiuncula:  Bekanntlich musste der Vierte Adventssonntag in diesem Jahr der Vigil von Weihnachten den liturgischen Platz räumen.  Weil aber der Isaias-Vers so schön zu dem Bild passt, habe ich hier auf ihn zurückgegriffen.
Es handelt sich um die Reproduktion eines Gemäldes, das sich im Heimatmuseum zu Radstadt im Salzburger Land befindet.

Zu der liturgischen Besonderheit kam in unserer nordbadischen Gemeinde (Link) heute früh noch die Freude und Ehre eines hohen Besuchs:  Wir durften bei uns begrüßen den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. PetrusHw. P. John Berg  (Link), der für uns das Hochamt zelebrierte.



*  *  *  *  *

Allen Lesern und Besuchern dieses Blogs 
wünsche ich gnadenreiche Weihnachten 
und Gottes Segen

* * * * *

Samstag, 23. Dezember 2017

Das Lächeln des Guten Hirten (4)

Erster Teil HIER   -   Zweiter Teil HIER   -   Dritter Teil HIER

 
Die Gruppe drinnen flüsterte miteinander.  "Vielleicht ein Kranker", sagte Schwester Magdalena leise zu Schwester Angela, "und der Pater hat kein Pferd ..."
Die Worte waren ihr kaum über die Lippen, da trat der Pater mit der Vogelscheuche wieder ein, und auf den Armen trugen sie   -   Essen!
"Mangiata!" Man hörte Schluchzen -  und Lachen.  Giuseppe schlang seinen einen Arm um die "Kleine Blume", hob sie mühelos vom Boden  und küsste sie kühn auf den Mund.  Schwester Angela dachte gerade noch daran, schnell ein Kreuzzeichen zu machen.  Die Kinder begannen zu zwitschern und im Zimmer herumzutanzen, und alle fingen an, einander etwas zuzurufen   -  obwohl niemand zuhörte.

"Ruhe!"  rief Pater Donatello über die auf seinen Armen bis zum Kinn aufgestapelten Päckchen hinweg.  Seine Augen glänzten wie reife Oliven.  "Lasst ihn erzählen, wer ihn uns geschickt hat."  Der struppige Mann lud seinen Armvoll Pakete auf den Tisch, nahm seinen Hut ab und wandte sich nach dem Pater um.  "Pater", sagte er, "vor Ihnen steht ein Sünder."
Für ein Zimmer, das so mit Aufregung erfüllt war, trat mit überraschender Schnelligkeit Stillschweigen ein.
Der Mann blickte auf die Spitzen seiner zerrissenen Stiefel.  "Heute nachmittag habe ich im Dorf"  -  und er deutet die Richtung mit dem Kopf an  -   "ein Pferd  -   mitgenommen.  Ich ritt nach Norden.  Ich war schon früher einmal da und wusste, dass einige dort mehr zu essen haben, als sie brauchen.  In der Dunkelheit habe ich bei einem Haus auf der Lauer gelegen, das ich kannte.  Ich wusste, sie würden zur Messe gehen."  Und noch immer mit niedergeschlagenen Augen wies es auf den Tisch.  "Ich habe das da dort drinnen   -   gefunden."

Es war so still, dass man hören konnte, wie das Kind an der Brust seiner Mutter atmete.
"Ich brauchte es,  für die Frau und die Kinder. Wir haben nur noch genug für ein paar Tage   -   gerade noch genug.  Als ich hier vorbeikam und das Singen hörte, hielt ich an. Und über der Kirche stand ein Stern, Pater, größer und heller als die anderen   -  vielleicht sah es auch nur so aus.  Trotzdem versuchte ich weiterzugehen.  Aber das Pferd   -   es wollte nicht."
Pater Donatello sah um zehn Jahre gealtert aus.  "Gestohlen", sagte er schwer.  Er schien hinter den Paketen auf seinem Arm zusammmenzuschrumpfen.  Seine Augen wanderten über die ernüchterten Gesichter hin zu Schwester Magdalena.
 
"Der Stern ist da", sagte sie. "Ich habe ihn gesehen.  Wir brauchen den Ofen, Schwester Angela.  Und, Giuseppe, Holz."
Pater Donatellos Gesicht wurde zitternd heller, aber es blieb noch immer zweifelnd Schwester Magdalena zugewandt.  Dann warf er die Pakete auf den Tisch, zog sein Taschenmesser heraus und fing an, in die Dosen kondensierter Milch Löcher zu bohren.
"Die Tassen, Schwester Angela", befahl er.
Zum ersten Mal seit langer Zeit blickte niemand zu Schwester Magdalena hin.  Sie lehnte an der Wand neben dem Guten Hirten.  Es war natürlich kein Wunder.  Und doch   - wäre der Mann fünf Minuten früher vorbeigeritten   -  ja, nur zwei Minuten   -, so hätte er das Singen nicht gehört.
Die Dinge im Zimmer fingen an zu verschwimmen. Sie klammerte sich an den Sockel der Statue und versuchte, sich zu erinnern, wann sie zum letzten Male etwas zu essen geschmeckt hatte.

Ehe sie hinfiel, sah sie mit Schrecken etwas, was sie hinterher als ein Erzeugnis ihrer bösen Einbildung hinwegzuerklären versuchte.  Sie hätte schwören können, dass die Züge des Guten Hirten sich zu einem Lächeln voll des holdesten Erbarmens lösten, dass seine Augen sich zu ihr wandten   -   und dass er ihr zugezwinkert habe.

 * * * * *

(Aus dem Englischen übertragen von Karlheinz Schmidthüs)


Freitag, 22. Dezember 2017

Das Lächeln des Guten Hirten (3)

Erster Teil HIER    -    Zweiter Teil HIER


"Der Pater!"
Pater Donatello schloss die Tür hinter sich und lehnte sich gegen sie.  Seine zusammengefallenen Schultern sprachen aus, was sie schon wussten.  Der Blick, den er Schwester Magdalena zuwarf, war wie der Blick eines kleinen beschämten Buben. Er schien sich in den Kragen seines viel zu weiten Rockes verkriechen zu wollen.  "Ich musste zu Fuß heimkehren", sagte er, "während ich im Dorf bettelte, hatte ich das Pferd angebunden.  Jemand hat es mitgenommen."
Ach du Argloser; du wirst es niemals lernen,  dachte Schwester Magdalena.  Laut sagte sie: "Es macht nichts, Pater."

Der junge Priester, dessen Brust noch von der Überanstrengung keuchte, wandte den Kopf nach rechts und nach linksSeine großen braunen Augen schauten fragend auf Schwester Angelas Hand, die noch über dem Korbe schwebte.  "Was macht ihr?"
"Wir losen um die letzte Kartoffel",  antwortete Schwester Magdalena munter.  "Machen Sie weiter, Schwester Angela!"  Mit einem verzweifelten Blick auf den Pater tauchte Schwester Angela ihre Hand in den Korb und zog sie wieder heraus.  Die beiden Hauben beugten sich über den Zettel.  Die Schatten an der Wand warteten still und reglos.

Schwester Magdalena ging um den Tisch, hob mit zierlichen Fingern die Kartoffel auf  und trat auf die Wartenden zu.  Am Kopf der Reihe, vor dem hochgeschossenen jungen Mann mit dem leeren Ärmel blieb sie stehen.  "Fröhliche Weihnachten, Giuseppe", und reichte ihm die Kartoffel.
Er streckte die Hand aus und nahm die Kartoffel, und einen Augenblick lang war in seinen Augen ein Funkeln, das sie an den Knaben erinnerte, der fröhlich auf der Orgel gespielt hatte.  Neben ihm stand Lucia, das junge Mädchen, das Schwester Magdalena bei sich immer "Kleine Blume" nannte, weil sie fast wie die kleine heilige Therese aussah.
"Fröhliche Weihnachten, Lucia", sagte Giuseppe und drückte, über den leeren Ärmel hinwegreichend,  ihr die Kartoffel in die Hand.  Und die "Kleine Blume" schaute zu ihm auf, wie zu allen Zeiten die Frauen zu den Männern aufschauen, die sie beschützen.  Sie hielt das Geschenk dicht an die Brust gedrückt, ihre Augen in Giuseppes Augen.  Dann ging ein Erröten über ihr Gesicht, sie senkte den Blick und gab die Kartoffel dem alten Mann.

"Fröhliche Weihnachten", sagte sie leise.  Großvater Piazzas höfliche Verbeugung wurde von einem sehr wenig würdevollen Hustenanfall unterbrochen.  Als der Anfall vorüber war, wischte er mit dem Rockärmel über den Mund und sah die Kartoffel an, die er auf der Handfläche vor sich trug.  Er schaute auf Schwester Magdalena, aber die blickte interessiert auf die Wand über ihm.  Er rieb die Kartoffel an seiner Hemdbrust, als ob er sie blank reiben wollte, und reichte sie der jungen Mutter, die ihr Kind stillte.  "Fröhliche Weihnachten, Lisa", sagte er.  
Die Frau schaute die Kartoffel nicht an. Den Kopf erhoben, reichte sie sie dem Manne,  der gesagt hatte, dass an Weihnachten alles schwieriger sei.  Ihr "Fröhliche Weihnachten" war wie ein Hauch.
Rosa Armandi war die letzte, und sie nahmen das als ein Zeichen.  Alle beugten sich vor und sagten: "Es sollte so sein, dass du sie bekommst, Rosa  -   für den ungeborenen Bambino."

Rosa Armandi starrte die Kartoffel lange an, während sie sie vor sich hinhielt, als ob sie lebendig wäre.  Ihre Augen wanderten über die Reihe der ihr zugewandten Köpfe, zu Schwester Magdalena, über Schwester Magdalena hinweg.  Dann ging sie zu der Statue des Guten Hirten und legte ihm die Kartoffel zu Füßen nieder.

Schwester Magdalena versuchte, nicht an die Suppe zu denken, die sie aus der Kartoffel für den Pater hätte machen können.  Wie zu Schulkindern, die man zur Ordnung ermahnt, sagte sie:  "Wir wollen singen."  Ihr nicht ganz tonreiner Sopran stimmte das "Adeste fideles" an.  Und alle Stimmen wurden laut und kräftig beim "Venite, venite in Bethlehem".  Pater Donatellos prächtiger Bariton übertönte sie alle, als es zum "Dominum" kam.
Sie fingen von neuem an, ihre Körper bewegten sich hin und her, der Pater streckte sich auf die Zehen, die Kinder auf ihren Storchenbeinchen lärmten schrill und lustig.  Giuseppe und die "Kleine Blume" sagten einander zärtliche Worte mit den Augen.


In dem Augenblick, als sie eine Pause machten, schlug jemand an die Tür und riss sie auf.  Vielleicht wären die meisten von ihnen nicht überrascht gewesen, wenn ein Engel mit gefalteten Flügeln hereingekommen wäre. Sicherlich wäre Schwester Angela auf ihn losgeschossen, um ihn würdig zu begrüßen.
Da stand er auf der Schwelle   -   eine bärtige Vogelscheuche von einem Manne in schmutzigen, ausgebeulten Hosen, und winkte dem Pater mit dem Finger.  Pater Donatello ging hinaus und schloss die Tür hinter sich.



(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Das Lächeln des Guten Hirten (2)


[Annotatiuncula nachträglich:  Mag sein, dass das Motiv des Guten Hirten in Bezug auf Weihnachten etwas unpassend erscheint.  Dennoch ist die Erzählung wert, hier präsentiert zu werden, und sie wird für sich selbst sprechen.]


Erster Teil HIER


"Nichts mehr zu essen",  sagte sie schroff.
Niemand regte sich.
Großvater Piazza schüttelte es in einem Hustenanfall,  und sie sah einen roten Flecken auf seiner Hand.  Ein Kind wimmerte und versteckte sein Gesicht im Rock seiner Mutter.  Schwester Angela räusperte sich nervös.  "Geht ins Gotteshaus", sagte sie mit ihrer geduldigen dünnen Stimme.  "Betet zu ihm   -   und glaubt.  Morgen wird sicher etwas kommen."
Schwester Magdalena verzog den Mund.  Sie hätte hinüberlangen und etwas Vernunft in Schwester Angela prügeln mögen.  Jawohl, und wenn nichts kommt?  Die Menschen auf Wunder hoffen lassen,  das ist es, was den Glauben unterhöhlt!

Der Vater des Kindes, das seine Nase am Rock der Mutter abwischte, sagte mit leiser Stimme:  "Es wäre zu jeder Zeit hart, Sorella, aber zu Weihnachten sollten die Kinder etwas Freude haben."
Madre mia!  Man möchte meinen, sie stünde mit dem lieben Gott auf Duzfuß, so dass sie ihn nur am Ärmel zu zupfen brauchte, und er würde Essen herunterfallen lassen!  Sie ärgerte sich, dass sie einen Klumpen in der Kehle spürte, als der Vater das Kind aufhob und sein Gesicht dicht vor ihres hielt.

"Es ist ein Bissen Essen im Hause", sagte sie kühl und geschäftsmäßig.  "Ich gehe, es holen."
Die Augen leuchteten hoffnungsvoll auf, als sie sie durch die Klasse auf die Küche zugehen sahen.  Ihr schwarzes Habit raschelte, die weißen Flügel ihrer Haube wippten tatkräftig auf und nieder.
Als sie zurückkam, hielt sie eine einzige Kartoffel in der Hand   -  nicht größer als ein Gänseei.
"Der Pater hat sie von einer Reise mitgebracht", sagte sie.  "Sie gibt eine gute Suppe   -   für einen von euch.  Wir werden die Namen auf ein Papier schreiben.  Wessen Name gezogen wird, bekommt die Kartoffel.  Suchen Sie Papier und Bleistift", wandte sie sich an Schwester Angela.

Schwester Angela huschte im Zimmer herum, fand eine alte Nummer des Kirchenblattes und riß Streifen von seinem Rand ab.
"Den Korb", sagte Schwester Magdalena und zeigte auf die Ecke, wo der Kollektenkorb mit seinem langen Griff  seit dem Tag an der Wand lehnte, als der Pater ihn dort hingestellt und gemeint hatte, sie könnten ihn ebensogut als Nähkorb benutzen. 
Schwester Magdalena ging zum Tisch, nahm Schwester Angela den Bleistift ab und klopfte scharf damit auf die Tischplatte.  "Kommt her!"  Wie geduldige Schafe gehorchten sie dem Befehl stillschweigend.

Sie schrieb den Namen des alten Mannes auf das erste Los.  "Sieh her, Nonno, dein Name.  Wirf ihn in den Korb."  Sie füllte zwei Zettel für die junge Frau mit dem Säugling aus.  "Für dich und den Bambino", sagte sie.
"Nun ein Zettel für Rosa", sagte Schwester Magdalena fest.  Giuseppe kam als nächster.  "Lassen Sie mich selber, Sorella", sagte er, nahm den Bleistift, beugte sich über den Tisch und schrieb ernsthaft und sorgfältig seinen Namen mit der linken Hand.
Schwester Magdalena nickte.  "Es geht schon viel besser, Giuseppe."  

Der letzte Name lag schließlich im Korb, und die kleine Gruppe trat zurück an die Wand.  Schwester Magdalena mischte die Zettel mit dem Bleistift durcheinander und wandte sich an Schwester Angela.  "Sie ziehen!"
Schwester Angela glitt zum Tische.  Ihre Hand stahl sich wie eine weiße Taube aus ihrem Ärmel  und flatterte über dem Korb.  Das Stillschweigen war so tief,  dass es war, als ob Großvater Piazzas rasselnder Atem die Sekunden zählte.
Die Hand senkte sich.  Die Schatten an der Wand beugten sich ängstlich vor.  Die Zettel raschelten auf einmal, wie von der Erwartung angezogen, nach oben.  Schwester Angelas Ärmel bewegte sich in einem Windstoß.  Die Hand blieb in der Luft stehen.  Die Schatten wandten sich um.


(Fortsetzung folgt)

 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Das Lächeln des Guten Hirten

Eine Weihnachtsgeschichte aus Italien
von Julie Prise

 (Text- und Bildquelle:  "Weihnachten in Not und Gefahr"  -  siehe HIER)


Dies ist eine Geschichte aus der Zeit, als das fahle Ross durch die Länder Europas ritt, "der aber auf seinem Rücken saß, hieß der Tod".   Viel Unglaubliches ist damals geschehen, das nicht so leicht vergessen werde sollte;  denn es kam damals heraus, was im Menschen ist:  Böses und Gutes, Schrecken und Trost.

Es war Heiliger Abend am Rand des Tyrrhenischen Meeres, im Schatten des Berges Vesuv,  wo an der Kreuzung ausgefahrener Landwege einige Hütten sich unter dem Glanz der Sterne Italiens zusammendrängten.  Und in diesen Hütten war nichts mehr zu essen  -   gar nichts mehr.  Denn wo einmal reiche Weinberge geblüht hatten,  da waren nur noch die Hufspuren des fahlen Rosses zu sehen.
Aber weil Heiliger Abend war und weil die Menschen dieses kleinen Dorfes sich doch noch erinnerten, dass es eigentlich eine Nacht der Freude sein sollte, so trieb es sie zu dem verfallenen Schulhaus neben der Kirche.  Hier gaben ihnen die Schwestern manchmal etwas zu essen  -   wenn sie konnten.

Schwester Maria Magdalena sah sie kommen:  den alten Nonno Piazza, der ohnehin nur noch ein paar Tage zu leben hatte  -  selbst mit Essen;  Rosa Armandi, schwerfällig von dem Kindchen, das bald zur Welt kommen sollte;  Giuseppe, der als Bub heimlich in die Kirche geschlichen war, um fröhlich auf der Orgel zu spielen   -  jetzt war er hochgeschossen und hatte nur noch einen Arm;  die anderen jungen Männer, die mit zusammengeschobenen Schultern, die Hände in den Taschen, sich gegen den Wind vorwärtsschoben;  die Kinder;  die mageren jungen Mädchen.  Wie in einem bösen Traum sah die Schwester den schäbigen, ausgemergelten Zug auf sich zukommen.

Sie sprach zu Schwester Maria Angela, die ihr über die Schulter sah:  "Sie kommen.  Wie ich es Ihnen gesagt habe.  Und sie wissen, dass der Pater nicht hier ist;  dass es keine Mitternachtsmesse gibt."

Schwester Angela ließ ruhig ihren Rosenkranz durch die Hände laufen.  "Er wird schon Hilfe finden", sagte sie.

Der abgenutzte Vorhang blieb an Schwester Magdalenas rauhen Händen hängen, als sie sich vom Fenster abwandte.  "Nein. Man kann nicht mehr hoffen."


Sie öffnete auf das zaghafte Klopfen die Tür, und die Bauern kamen herein, mit niedergeschlagenen Augen, als wollten sie sich entschuldigen, und in dumpfem Schweigen, außer einem halblaut gemurmelten "Guten Abend, Sorelle".  Sie lehnten sich an die Wand des spärlich beleuchteten Zimmers, in dem der Gute Hirte stand, das gerettete Schäflein in den Armen.
Sie baten nicht um Essen.  Sie standen bloß da.  Wie Störche, dachte Schwester Magdalena, als sie die dürren Beinchen der Kinder sah.

"Keine Messe heute nacht", sagte sie.  "Morgen früh kommt der Pater wieder."
"Der Pater  -   er wird nichts zu essen bringen!"  Es war die brüchige Stimme von Großvater Piazza,  der das rote Hemd Enricos anhatte, der nun am Fuß des Hügels lag.
Sie wusste, sie hätte sagen sollen: "Hoffet weiter",  aber sie war ebenso müde, es zu sagen, wie die Bauern, es zu hören.  Sie sah das Gesicht des Guten Hirten an und versuchte einen Gedanken zu verjagen, weil sie wusste, dass er ehrfurchtswidrig war:  Wenn doch der Bildhauer die Wangen des Bildes ausgehöhlter gemacht hätte   -   so ausgehöhlt wie die Wangen ihrer Leute hier.  Die Statue sah zu wohlgenährt aus.  Der Gedanke kam immer wieder und wollte nicht weggehen, wie eine Fliege, die um den Esstisch brummt.

Selbst Schwester Angela blickte zu ihr hin, anstatt sich zu überlegen, was sie den Leuten sagen könnte.  Selbst der Pater würde auf sie schauen, wenn er hier wäre.  Sie wünschte, sie könnte hinaus in die Nacht gehen, sich irgendwo hinlegen und ruhig sterben.


 (Fortsetzung folgt)

Montag, 4. Dezember 2017

Erhebt eure Häupter, ...

... denn es naht eure Erlösung !

(Lk 21,28:  Evangelium vom Ersten Adventssonntag) 



 Bild gefunden auf dem Beiboot Petri

Mittwoch, 22. November 2017

"Der Mann vom Land Tirol ..."

... heißt Andreas Hofer und wurde am 22. November 1767, heute vor zweihundertfünfzig Jahren geboren, auf dem Sandhof bei St. Leonhard, dem Hauptort des Südtiroler Passeier-Tales, nördlich von Meran. 


Weil das Elternhaus des "Hofer Andrä" als Wirtshaus ("am Sand") eingerichtet war, wurde sein Erbe und Besitzer bald allgemein als der "Sandwirt" bekannt.  Als solcher und als ein in ganz Tirol umherreisender Vieh- und Weinhändler war er überall angesehen und hochgeachtet, so dass man ihn im Freiheitskampf gegen Napoleon und das mit diesem verbündete Königreich Bayern zum Oberbefehlshaber der Tiroler Schützen machte.

Zu diesem Kampf kam es so:
Im Frieden von Pressburg anno 1805 war die Gefürstete Grafschaft Tirol nach viereinhalb Jahrhunderten Zugehörigkeit von Österreich getrennt und bayrischer Herrschaft unterstellt worden.  Die Tiroler aber waren, ähnlich wie die Schweizer, seit Jahrhunderten freie und freiheitsliebende, selbstbewusste und waffenfähige  Bauern, und dem Haus Habsburg bewahrten sie eine treue Anhänglichkeit, so dass die Abtrennung von Wien sie ebenso erbitterte wie die bayrische "Fremd"-Herrschaft, die unter anderem eine revolutionär-"aufgeklärte", säkularistische Religionspolitik praktizierte, die man in Tirol noch von Kaiser Joseph II. her kannte und verabscheute.  Das Zurückdrängen von katholischer Volksfrömmigkeit, von Brauchtum und Lebensform brachte das Fass zum Überlaufen.  
Der Tiroler Aufstand von 1809 war eine durch und durch konservative Rebellion  -  gegen die "Revolution"!

Zunächst noch im Einvernehmen mit und unterstützt von Österreich (Erzherzog Johann) lehrte der Schützen-Oberkommandant Hofer die französischen und bayrischen Truppen das Fürchten.   Deren besserer Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung konnten die   -  größtenteils allerdings bestens geübten   -   Tiroler Scharfschützen ihren "Heimvorteil" im Gebirge und ihre hochmotivierte Kampfkraft entgegensetzen. In mehreren größeren Gefechten am Bergisel bei Innsbruck wurde der Feind entscheidend geschlagen.  
Und so kam es, dass  der Tiroler Bauer, Gastwirt und Pferdehändler Andreas Hofer zwei Monate lang als "Regent von Tirol" in der  Hofburg zu Innsbruck residierte und regierte!

Doch dann wendete sich das Kriegsglück.  Österreich musste mit Napoleon Frieden machen, Tirol war nun auf sich allein gestellt, und nicht zuletzt auch wirtschaftlich-materielle Not zwang es schließlich, den Kampf aufzugeben.  Hofer musste in die Berge fliehen, auf ihn war ein Kopfgeld ausgesetzt.  Ein verräterischer Landsmann lieferte ihn  den mit Napoleon verbündeten Italienern aus ...

Nur "Insidern" dürfte aufgefallen sein, dass der Titel dieses Posts ein Vers aus der Tiroler Landeshymne, dem "Andreas-Hofer-Lied" ist, das so beginnt:

Zu Mantua in Banden der treue Hofer war,
in Mantua zum Tode führt' ihn der Feinde Schar ...

und das den Sandwirt als letztlich tragisch gescheiterten Volkshelden besingt.

In der Festung Mantua also, am Morgen des 20. Februar 1810, wartete Andreas Hofer darauf, als Rebell vor das Erschießungskommando geführt zu werden.
Sein letzter Abschiedsbrief an einen vertrauten Freund zeigt seine tiefe Frömmigkeit und sein Gottvertrauen, das ihn schließlich, gefasst und gelassen, versehen mit den Sakramenten der Kirche, in den Tod gehen ließ, einen Tod, der ihn allerdings auch von einem von ihm als ungeheuer schwer empfundenen Verantwortungsdruck erlöste:
... a de mein schnede Welt, so leicht khompt mir das sterben vor,  daß mir nit die augen naß werden geschrieben um 5 urr in der frue, und um 9 urr Reiß ich mit der hilfe aller heilig zu gott.
mandua, den 20. februare 1810
dein in leben geliebter andere hofer in sant in Passeyr in namen des herrn Wille ich auch die Reisse fornemen mit gott.




Lesenswerte, ausführliche Würdigung Andreas Hofers HIER .
Das Andreas-Hofer-Lied kann man HIER lesen und  hören.